Mitteldeutsche Zeitung, Bitterfeld-Wolfen / S. 7 / von Ute Hartling-Lieblang
Grundsteinlegung für modernes Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk in Bitterfeld-Wolfen
Bitterfeld-Wolfen/MZ „Was soll denn die Nachwelt von uns denken?“, kritisierte die Oberbürgermeisterin von Bitterfeld-Wolfen, Petra Wust, die etwas unsachgemäße Bestückung der Kartusche, die gestern bei der Grundsteinlegung für ein modernes Heizkraftwerk auf dem Baufeld der PD energy GmbH versenkt werden sollte. Mit etwas Mühe gelang es dann doch noch, zwei umfangreiche Tageszeitungen nebst Bauplan und Münzen in das stählerne Rohr zu pressen, ohne dass die Dokumente Schaden nahmen.
Wust war die einzige Frau unter sieben Männern vom Staatssekretär über den Vorstandsvorsitzenden bis zum Geschäftsführer, die gestern im Chemiepark Bitterfeld/Wolfen mit drei Hammerschlägen den Auftakt für eine Investition von 64,2 Millionen Euro gaben. „Ich freue mich, dass wir kurz vor Weihnachten noch ein solches Highlight erleben können“, sagte Wust. Die moderne Verbrennungsanlage, die vor allem mit sortierten Siedlungsabfällen bestückt werden soll, entsteht gänzlich ohne Fördermittel. Sie soll strengsten Umweltstandards entsprechen und zu Beginn des Jahres 2010 ans Netz gehen. Mit dieser Investition sollen 25 zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden. Die erste Kesseldruckprobe ist für Dezember 2008 geplant.
„Ich freue mich, dass wir mit unseren Partnern, der Danpower GmbH, und deren Hauptgesellschafter, den Stadtwerken Hannover, einen weiteren Beitrag zum Wachstum des Chemieparks Bitterfeld/Wolfen leisten“, unterstrich Jürgen Preiss-Daimler, Geschäftsführender Gesellschafter der PD Chemiepark Bitterfeld/Wolfen GmbH bei der Grundsteinlegung.
Kraftwerke dieser Art, die zugleich der Müllentsorgung dienen, „sind ein Thema dem wir uns in Zukunft verstärkt zuwenden werden“, sagte Detlef Schubert, Staatssekretär im Landeswirtschaftsministerium. Die dezentrale Energieversorgung am Standort sei eine intelligente Lösung, die es den Unternehmen jährlich rund 100.000 Tonnen mittel- und hochkalorische Reststoffe, das sind sortierte Siedlungs- und Gewerbeabfälle, verwendet werden, die einen hohen Heizwert haben. Die elektrische Leistung soll bei zwölf Megawatt und die Wärmeauskopplung bei 20 Megawatt liegen. Die Ersatzbrennstoffe müssen anfangs allerdings noch über die Straße, beispielsweise vom Kreiswerk Delitzsch, herangeschafft werden. Für die Zukunft sei es jedoch nicht ausgeschlossen, auch Siedlungsabfälle aus der Region Anhalt-Bitterfeld zu verbrennen. Derzeit sind diese aber durch langfristige Entsorgungsverträge gebunden. Im gewaltigen Angebot an mittel- und hochkalorischen Reststoffen aus der Abfallwirtschaft auch aus der Region, sieht Hartmut Liebisch, Geschäftsführer der PD energy GmbH, eine gute Grundlage für das Betreiben der neuen Anlage weit in die Zukunft hinein. Die Vorbereitungsarbeiten für den Kraftwerksbau haben bereits begonnen. Derzeit ist man auf dem Baufeld dabei, die Tragsicherheit des Untergrundes herzustellen. Dazu müssen etwa 720 Rammpfähle aus Stahlbeton in den Boden gebracht werden.