Der Tagesspiegel, Autor: Frank Wendler
Danpower macht in Lauchhammer Dampf mit nachwachsenden Rohstoffen
Der Ausbau der Windkraft in Deutschland geht voran. 2013 dürfte so viel Strom aus Windenergie neu ans Netz gehen wie seit dem Rekordjahr 2002 nicht mehr. Heute produzieren über das Land verstreut 23400 Windkraftanlagen etwa zehn Prozent des deutschen Stroms. Und der Anteil wird weiter steigen. Nach dem Szenario des Netzentwicklungsplans dürften in zehn Jahren Windenergieanlagen etwa jede dritte Kilowattstunde Strom in Deutschland erzeugen.
Einer der ganz großen Anbieter auf dem Markt ist die dänische Vestas Wind System. Ihre Tochtergesellschaft Vestas Blades Deutschland GmbH hat ihren Sitz in Lauchhammer im südlichen Brandenburg. Auf dem Areal einer ehemaligen Brikettfabrik betreibt das Unternehmen eine 45 000 Quadratmeter große Produktionsstätte, auf der sie die Oberflächen der bis zu 55 Meter langen Rotorblätter beschichtet.
Um diese Riesen aus Glas- und Kohlefaserkunststoff nach dem Laminieren der verschiedenen Schichten zu trocknen, bezog Vestas bisher Energie aus einem Hochtemperatur-Wärmenetz. Elektrische Nacherhitzer brachten die mit 95 Grad Celsius die benötigte höhere Temperatur.
"Wir haben nach einer effizienteren und klimafreundlicheren Lösung gesucht", erzählt Steffen Kanefke, Ingenieur der Vestas Blades Deutschland GmbH: "Mit Danpower haben wir seit 2002 einen Energiedienstleister, der eine hohe Expertise für effiziente Wärmeerzeugung und -versorgung sowie den Einsatz regenerativer Energieträger hat. Da lag es nahe, uns von diesem Partner eine Lösung realisieren zu lassen."
Die in Potsdam ansässige Danpower GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen mit 350 Beschäftigten und versorgt vor allem in den neuen Bundesländern Kunden aus Gewerbe, Industrie und Wohnungswirtschaft mit Wärme, Strom und Kälte. Neben klassischen Heizwerken und Blockheizkraftwerken liegt ein Schwerpunkt der Arbeit auf der Nutzung erneuerbarer Energien wie Biogas, Biomasse und Restabfällen. Obwohl ursprünglich ein klassischer Energieversorger, macht Danpower nach Aussage von Geschäftsführer Sven Schmieder "mittlerweile mehr als ein Drittel seines Umsätze durch die Einspeisung von Ökostrom".
Am Vestas-Standort Lauchhammer installierte Danpower gemeinsam mit Vestas ein Blockheizkraftwerk, das nach einem längeren Probebetrieb seit März 2013 für die richtige Ofentemperatur beim "Backen" der Rotorblätter sorgt. Betrieben wird es mit Biomethan, das Danpower in einer eigenen Biogasanlage im sächsischen Lichtensee ausschließlich auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen produziert.
Vestas bezieht die für die Trocknung der Rotorblätter benötigte Hochtemperaturwärme von rund 160 Grad seitdem aus der Abgaswärme des neuen Blockheizkraftwerkes. Immer wenn diese Hitze nicht benötigt wird, verbleibt sie im Heißwasserspeicher mit einem Fassungsvemiögen von 60 Kubikmetern.
Die von Vestas nicht genutzte Niedertemperaturwärme wird in das örtliche Fernwärmenetz eingeleitet. Für Vestas entfällt die kostenaufwendige, elektrische, wenig ökologische Aufheizung (Strom besitzt von allen Energieträgern den höchsten CO2-Emissionsfaktor), die bislang notwendig war, um das für den Produktionsprozess benötigte Temperaturniveau zu erlangen.
Hartmut Liebisch von der Danpower hält das Modell für ausbaufähig: "Als mögliche weitere Anwendungsgebiete kommen Brauereien, Molkereien, fleischverarbeitende Betriebe, Papierindustrie, chemische oder pharmazeutische Industrie sowie Krankenhäuser in Frage" - Grund genug, das Unternehmen in diesem Jahr mit dem Innovationspreis auszuzeichnen.